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Crowdfunding – Was Schwarmfinanzierung interessant macht und welche Chancen es der öffentlichen Hand bietet - Interview mit Anna Theil, COO von Startnext.de

Was ist Crowdfunding, wie lässt es sich vom Sponsoring abgrenzen und welche Chancen bietet es der öffentlichen Hand? Wir haben mit Anna Theil, COO der größten deutschen Crowdfunding-Plattform Startnext.de, gesprochen.

Foto Anna Theil Startnext

Hampe: Liebe Frau Theil, das Thema „Crowdfunding“ ist in aller Munde. Was ist Crowdfunding genau?

Theil: Crowdfunding ist ein Finanzierungsmodell im Internet, das seit 2010 auch im deutschsprachigen Raum an Bedeutung gewinnt. Übersetzt mit „Schwarmfinanzierung“, zeigt sich dessen Potenzial bereits in der Begrifflichkeit: Viele Nutzer des Internets finanzieren mit kleinen oder größeren Beträgen gemeinsam eine Idee, ein Projekt oder ein Startup.

Mit Crowdfunding haben Kreative, Gründer und Erfinder die Möglichkeit, ihre Ideen in einem frühen Stadium der Internet-Community vorzustellen und damit auf direktem Wege Unterstützer oder Investoren zu finden. Die Crowd ermöglicht damit die Vorfinanzierung und Realisierung von Ideen. Die Initiatoren eines Crowdfunding-Projektes bekommen das Geld in der Regel jedoch nur ausgezahlt, wenn sie das Finanzierungsziel innerhalb der geplanten Zeit erreichen, andernfalls bekommen die Unterstützer ihr Geld zurück.

Hampe: Erhalten die Unterstützer eine Gegenleistung für Ihre Förderung?

Theil: Ja.

Hampe: In welchem Verhältnis steht denn dann das Crowdfunding zum Sponsoring?

Theil: Sponsoring bezieht sich in der Regel auf Unternehmen, die auf diesem Wege beispielsweise Kulturprojekte unterstützen. Unternehmen nutzen Sponsoring als Kommunikationsinstrument, zur Imagepflege, um gesellschaftliche Verantwortung sichtbar zu machen oder wirtschaftliche Vorteile zu erzielen.

Crowdfunding ermöglicht es, dass Privatpersonen schon mit kleinen Beträgen Projekte unterstützen können. Die Menschen unterstützen Projekte, weil sie wollen, dass eine Idee Wirklichkeit wird. Dafür erhalten sie Dankeschöns wie z.B. Design-Produkte, Einladungen zur Premiere, das Buch, die CD, signierte Kunstwerke oder andere Belohnungen. Alle diese Gegenleistungen haben in der Regel gemeinsam, dass sie erst mit der Realisierung der Idee entstehen.

Hampe: Es geht also auch beim Crowdfunding um Förderungen und vereinbarte Gegenleistungen. Anders als beim Sponsoring sind typische Gegenleistungen beim Crowdfunding aber nicht werbewirksam.

Theil: Richtig! Für die meist privaten Förderer ist eine Werbewirkung irrelevant.

Hampe: Engagieren sich denn auch Unternehmen als Förderer im Bereich des Crowdfunding?

Theil: Ja, es gibt schon Unternehmen, die auf Crowdfunding-Plattformen Projekte fördern und damit neue Wege des Kultursponsorings ausprobieren. Auf Startnext haben wir für Unternehmen oder andere Organisationen die Crowdfunding Pages, auf der sie ihr Förderengagement sichtbar machen können.

Hampe: Was macht Crowdfunding so interessant?

Theil: Der große Vorteil von Crowdfunding liegt darin, dass sich Finanzierung, Marketing und Vertrieb verknüpfen lassen. Die frühzeitige Einbindung der potenziellen Konsumenten oder des Publikums in die Entwicklung von Projekten und Produkten bietet Kreativschaffenden vollkommen neue Möglichkeiten der Potenzial- und Marktanalyse. Die Resonanz der Community auf eine Projektidee ist ein früher Indikator für deren Erfolgschancen.

Hampe:  Und was macht Ihre Webseite Startnext.de für Ihre Nutzer so interessant?

Theil: Startnext ist inzwischen die größte Crowdfunding-Plattform für kreative Ideen im deutschsprachigen Raum. Filmemacher, Musiker, Journalisten, Designer, Entwickler, Künstler, Erfinder, Gründer und andere Kreative finanzieren ihre Projekte mit der direkten Unterstützung von vielen Menschen. Sozialunternehmen, Genossenschaften und Startups aus der Kreativwirtschaft können auf Startnext Crowdinvesting mit Crowdfunding kombinieren.

Hampe: Crowdinvesting?

Theil: Beim Crowdinvesting erhalten Unterstützer die Möglichkeit, in ein Projekt oder ein Startup zu investieren und werden zum Beispiel am möglichen Gewinn beteiligt.

Hampe: Und wie läuft ein typisches Projekt auf Startnext.de ab?

Theil: Der Projektinitiator beschreibt seine Idee mit Texten, Bildern und einem Video, setzt eine Finanzierungshöhe sowie einen -zeitraum fest, bis wann er das Budgetziel erreichen möchte. Er erstellt Dankeschöns in gestaffelter Höhe, die seine Unterstützer als Gegenleistung für ihren finanziellen Beitrag erhalten. Schließlich kommuniziert der Projektinitiator sein Projekt in seinem Netzwerk und bei seinen Fans. Das Geld bekommen die Projektinitiatoren beim Großteil der Plattformen nur ausgezahlt, wenn das Budgetziel erreicht wird (Alles-oder-Nichts-Prinzip). Gelingt das nicht innerhalb der geplanten Zeit, geht das Geld wieder an die Unterstutzer zurück und kann in neue Projekte gegeben werden.

Hampe: Was muss ein Projekt denn mitbringen, um erfolgreich zu sein?

Theil: Das sind mehrere Dinge: Dazu gehört eine gute Projektpräsentation mit einer klaren Idee und Botschaft, die jemand weitererzählen kann, ein persönliches Pitch-Video, eine ansprechende Gestaltung der Grafiken und individuelle Dankeschöns, die für einen potenziellen Unterstützer ein Anreiz sind, das Projekt zu unterstützen. Sobald das Projekt online ist, ist es wichtig, das Projekt aktiv zu kommunizieren, vor allem in sozialen Netzwerken.

Hampe: Wie geht die öffentliche Hand mit dem Thema Crowdfunding um? Nutzt sie es bereits, um Förderer für ihre Projekte z.B. aus den Bereichen Kunst und Kultur zu finden?

Theil: Bisher ist mir noch keine Kommune oder Ministerium bekannt, die selbst ein Crowdfunding-Projekt gestartet hat. Aus der Perspektive von Kommunen oder Ministerien wird Crowdfunding aktuell eher als Möglichkeit wahrgenommen, um Ideen sichtbar zu machen oder Ideenhaber mit Bürgern zu vernetzen.

Hampe: Also Organisation der Mittelbeschaffung nicht für sich, sondern für Dritte?

Theil: Ja. Es gibt z.B. zwei Pilotprojekte von uns in Kooperation mit den Städten Hamburg und Dresden. So betreibt z.B. die Hamburg Kreativ Gesellschaft, eine städtische Einrichtung, seit 2011 die erste regionale Crowdfunding-Plattform namens „Nordstarter Hamburg“, eine Sub-Plattform von Startnext. Diese bringt als kommunales Förderinstrument Initiatoren und private Förderer zusammen (Zur Plattform…).

Hampe: Ist Crowdfunding denn aus Ihrer Sicht grundsätzlich geeignet, Projekte der öffentlichen Hand zu finanzieren?

Theil: Ja, das ist denkbar. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass klar wird, warum die öffentliche Hand diesen Schritt geht und die Bürger bei der Finanzierung über Crowdfunding einbindet.

Hampe: Abschließend noch kurz zu den rechtlichen Besonderheiten bei Förderungen der öffentlichen Hand. Diese muss eine Reihe rechtlicher Vorgaben beachten, wenn sie private Förderer für ihre Projekte sucht. Beim Crowdfunding von Kommunen und Ministerien dürfte es insbesondere darauf ankommen, Vorgaben hinsichtlich der Förderer zu machen (Wer darf nicht fördern, in welcher Höhe darf eine Förderung maximal erfolgen etc.). Können solche Vorgaben auch bei der Ausschreibung auf einer Crowdfunding-Plattform wie Startnext umgesetzt werden (in der Projektbeschreibung, bei den Auswahlkriterien etc.)? Wie könnte die Einhaltung der Kriterien bei einer Vielzahl von Förderern, der Crowd, kontrolliert werden?

Theil: Solche Vorgaben wie die Höhe der maximalen Förderung pro Unterstützer könnten grundsätzlich auch auf einer Crowdfunding-Plattformen umgesetzt werden, zum Beispiel durch technische Vorgaben.

Hampe: Vielen Dank für das Interview!

Theil: Gerne.

07.08.2013

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