banner staathilfe spotlight

  • Home
  • Spotlight
  • Fundraising bei der Stiftung Jüdisches Museum Berlin, ein Einblick - Interview mit Anja Butzek, Leiterin Development: „Öffentlich-rechtliche Trägerschaft positiv für unser Fundraising“

Fundraising bei der Stiftung Jüdisches Museum Berlin, ein Einblick - Interview mit Anja Butzek, Leiterin Development: „Öffentlich-rechtliche Trägerschaft positiv für unser Fundraising“

Interview mit Anja Butzek, Leiterin des Bereichs Development bei der Stiftung Jüdisches Museum Berlin, zum Fundraising beim Jüdischen Museum Berlin - Bedeutung, Organisation, Erfolgsfaktoren, Trends.

Hampe: Liebe Frau Butzek, das Jüdische Museum Berlin ist mit über 700.000 Besuchern pro Jahr eines der meistbesuchten Museen Deutschlands. Was bieten Sie Ihren Besuchern und was macht Sie so erfolgreich?
Butzek: Das Jüdische Museum Berlin versteht sich als Ort der Begegnung für Menschen aus der ganzen Welt. Wir sind offen für neue Ideen und den Austausch mit unseren Besuchern. Ich denke, dass die Bandbreite unserer Aktivitäten und unsere Besucherorientierung einen großen Teil unseres Erfolges ausmachen; dazu gehören der symbolträchtige Museumsbau von Daniel Libeskind, unsere Bildungsprogramme und unsere lebendigen Ausstellungen. Ein weiterer und wichtiger Schritt in die Zukunft sind unsere „Akademieprogramme Migration und Diversität“, mit denen wir uns für die Rechte von Minderheiten und für ein konstruktives Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion einsetzen. Das Museum hat als bundesdeutsches Geschichtsmuseum eine wichtige Aufgabe, die sowohl von unseren Partnern als auch von Besuchern so wahrgenommen wird.

Hampe: Wie finanzieren Sie dieses Angebot?
Butzek: Das Museum erhält als bundesunmittelbare Stiftung institutionelle Zuwendungen durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Ein Drittel der Ausgaben innerhalb des Gesamtetats wird durch sonstige Einnahmen, u.a. aus Fundraising, bestritten.

Hampe: Welche Rolle spielen Sponsoring und Spenden bei der Finanzierung?

Butzek: Das Einwerben dieser Mittel ist für das Jüdische Museum Berlin von hoher Bedeutung. Alle Aufgaben, die über das Kerngeschäft hinaus gehen, werden aus diesen Mitteln finanziert. Das Museum akquiriert seit vielen Jahren Mittel von Unternehmen, Privatpersonen und Stiftungen, die auch unseren öffentlichen Zuwendungsgeber davon überzeugen, dass unsere Arbeit in der Gesellschaft eine positive Resonanz erzeugt.

Hampe: Wie sind Sie im Bereich des Fundraising aufgestellt?
Butzek: Mit der Eröffnung der Dauerausstellung 2001 wurde eine Development-Abteilung nach amerikanischem Vorbild im Museum aufgebaut. Von anfänglich zwei Mitarbeitern ist die Abteilung mittlerweile auf fünf Mitarbeiter, inklusive Trainee und studentischer Hilfskraft, angewachsen. Gleichzeitig arbeitet die Stiftung eng mit dem Förderverein des Museums zusammen, so dass zwei weitere Kolleginnen ebenfalls für Fundraising-Aktivitäten zur Verfügung stehen. In dem Maß, in dem die Aktivitäten des Museums in den letzten zwölf Jahren angewachsen sind, hat das Haus auch seine Mittelakquise gesteigert und in personelle Ressourcen investiert.

Hampe: Wie läuft eine Förderung bei Ihnen ab? Sprechen Sie potenzielle Förderer an oder wenden sich interessierte Spender und Sponsoren eher unmittelbar an Sie?
Butzek: Im Regelfall sprechen wir potenzielle Förderer an – allerdings ergeben sich bei unseren vielfältigen Aktivitäten im Gespräch immer wieder Situationen, in denen auch wir angesprochen werden.

Hampe: Und wie sprechen Sie potenzielle Förderer an? Verwenden Sie beim Sponsoring z.B. Sponsorenmappen mit klar definierten Projekten, Leistungen und Gegenleistungen? Oder halten Sie Ihre Ansprache eher allgemein?
Butzek: Wir stimmen unser Vorgehen individuell auf jedes Projekt und jeden Förderer ab. Generell hat sich aber bewährt, dass man keine zu festgefahrenen Vorstellungen hat, wenn man sich in das Gespräch mit einem Förderer begibt. Häufig ergeben sich im engeren Austausch neue Optionen.

Hampe: Als öffentlich-rechtliche Stiftung und somit als Teil der mittelbaren Staatsverwaltung ist Ihr Museum zwar freier in seinen Fundraising-Aktivitäten als z.B. eine Behörde, aber weniger frei als z.B. eine Stiftung in privater Trägerschaft. Was ergibt sich hieraus für den Umgang mit Sponsoring- und Spendenmitteln?
Butzek: Tatsächlich müssen wir uns an bestimmte Vorgaben, z.B. an die VV Sponsoring des Bundes, halten, die uns aber nur in sehr wenigen Fällen stärker beeinflussen. Eine sinnvolle Möglichkeit, flexibel Mittel einzuwerben, ist der Förderverein.

Hampe: Ist es aus Ihrer Sicht für Spender und Sponsoren von Bedeutung, dass sich das Museum in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft befindet? Oder ist dieser Aspekt für die Förderbereitschaft ohne Relevanz?

Butzek: Sicher ist die Tatsache, in wessen Trägerschaft wir uns befinden, ein relevanter Imagefaktor für Spender und Sponsoren. Erfolg, Glaubwürdigkeit und Kompetenz einer Institution sind ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidungsfindung für ein Engagement.

Hampe: Das heißt, die öffentlich-rechtliche Trägerschaft des Museums wirkt sich positiv auf Ihr Fundraising aus.
Butzek: Ja, genau!

Hampe: Hat sich Ihr Fundraising in den letzten Jahren geändert?  
Butzek: Wir haben uns in den letzten Jahren sehr stark auf die Großspender fokussiert. Das ist nach wie vor eine wichtige Säule in unserer Fundraising-Strategie, wir bauen jedoch seit zwei Jahren auch den Bereich der Mittelakquise bei Stiftungen stärker aus und vor allem die Mitgliederstruktur im Förderverein, um so eine stärkere Anbindung an das Haus - nicht nur über die finanzielle Unterstützung - zu gewinnen.

Hampe: Welche Trends sehen Sie im Fundraising?
Butzek: Was die Trends betrifft, muss man sicher vor allem in der jeweiligen Online-Strategie über neue Formen der Zugänglichkeit nachdenken, die die Spendenbereitschaft erhöhen können. Konkret meine ich hier z.B. die Möglichkeit, sich bereits online aktiv in Projekte einzubringen, bevor man sich entschließt, diese zu unterstützen. Es ist jedoch meiner Meinung nach immer noch so, dass die meisten erfolgreichen Museums-Projekte über einige, wenige Großspender realisiert werden.

Hampe: Was macht aus Ihrer Sicht erfolgreiches Fundraising aus?
Butzek: Das sind mehrere Punkte: Zum einen ist Fundraising eine Management-Aufgabe und steht fällt mit der Bereitschaft des Führungspersonals, alle Fundraising-Prozesse zu unterstützen. Das erfordert eine besondere Denkhaltung und Organisationskultur, in der die Mittelbeschaffung als zentrale Aufgabe verstanden wird. Zum anderen ist Fundraising immer eine Entwicklungsaufgabe, für die man Zeit, Geld und Personal braucht – diese Notwendigkeit wird vielerorts nicht gesehen. Viele Ansprachen tragen erst nach Monate oder gar Jahren Früchte. Fundraising ist keine kurzfristiges sondern eine langfristige Strategie, die mit differenzierten Ansprachen verbunden sein muss. Gleichzeitig muss man für Fundraising und für das Ziel, die Institution, für die man es betreibt, eine wirkliche Leidenschaft mitbringen. Denn Fundraising ist vor allem „Friendraising“ und somit persönliche Ansprache, die eine aktive emotionale Ansprache und Einbindung beinhaltet.

Hampe: Frau Butzek, vielen Dank für das Interview!
Butzek: Gerne.

14.04.2014

Weitere Informationen zum JMBerlin finden Sie hier; Informationen für Förderer finden Sie hier.

DruckenE-Mail